BIO-logisch
Frau Hase und Herr Bär treffen sich im Einkaufszentrum auf dem Weg zum Parkplatz.
Hase: Guten Tag, Herr Bär. Hach, war das jetzt wieder ein Stress beim Einkaufen. Erst diese Hektik im Supermarkt an der Kasse und dann erst beim Bäcker. Da hat mir doch glatt eine andere Kundin das letzte biologische Doppelschrotbrot vor der Nase weggeschnappt.
Bär: Grüß Sie Gott, Frau Hase. Ja, und müssen Sie und Ihre Familie jetzt hungern?
Hase: Gott sei Dank hatte der Bäcker noch ein einzelnes biologisches Sechskornbrot. Das mag mein Mann zwar nicht so gerne, aber wenn es das einzige biologische Brot ist, dann muß er es eben essen.
Bär: Ich hör' immer »biologisch«. Frau Hase, gibt es denn der Unterschied zwischen biologischem Brot und unbiologischem Brot. Ich dachte immer, Brot würde so oder so aus Teig gebacken.
Hase: Ja schon, aber biologisches Brot eben aus biologischen Teig.
Bär: Oha, ja das habe ich ja gar nicht gewusst. Aber was ist denn bitte der Unterschied zwischen normalem und biologischen Teig. Also für mich ist Teig zunächst mal Teig. Und ich glaube auch, dass sich das Brot bestenfalls an Aufkleber und Preis unterscheidet.
Hase: Aber Herr Bär, ich bin entsetzt. Wie können Sie so was bloß denken? Natürlich wird das biologische Brot nur aus biologischen Zutaten gebacken. Direkt vom Bauern, das schmeckt man doch.
Bär: Also Frau Hase, ich will ja nun nicht anfangen mit Ihnen zu streiten, aber Sie meinen doch sicher, dass das Brot vom Bäcker mit Zutaten direkt vom Bauern gebacken wird. Oder holen Sie ihr Brot am Bauernhof.
Hase: Nein, natürlich hole ich das Brot beim Bäcker und was ich sagen wollte ist, dass es dort mit Zutaten direkt vom Bauernhof gebacken wird. Sie wissen schon, Mehl und so.
Bär: Naja, Frau Hase, ich glaube ich muß Sie mal aufklären ...
Hase: Aber Herr Bär, Sie alter Schelm, Sie.
Bär: ... das Mehl für das Brot kommt sicher nicht vom Bauern, sondern aus einer Mühle, dorthin liefert der Bauer sein Korn, Roggen, Weizen, was auch immer er anbaut. Mehl wächst ja weder auf Feldern noch bei der BASF im Tank. Also in sofern sind biologische Brote sicher mit normalen Broten zu vergleichen.
Hase: Ja, aber das Korn wächst dort biologisch.
Bär: Wie bitte soll Korn denn sonst wachsen? Wachstum ist doch immer was Biologisches.
Hase: Na, mit chemischen Zutaten eben und die werden bei biologischen Anbau einfach weggelassen.
Bär: Welche chemischen Zutaten meinen Sie denn, Frau Hase?
Hase: Na, zum Beispiel, den Kunstdünger und die Konservierungsstoffe.
Bär: Also, dass Sie mir da mal nichts durcheinander bringen. Konservierungstoffe tut der Bauer sicher keine auf das Feld und auch der Müller nicht an das Mehl. Vielleicht der Bäcker in den Teig, damit das Brot nicht so schnell schimmelt, aber auch das ist eher selten und meistens geschmacksneutral. Und Dünger benötigt ein Feld bzw. die Pflanze nun einmal, ob sie jetzt Stickstoff gezielt über Kunstdünger dort einbringen oder fässerweise Gülle auf das Feld fahren. Ich für meinen Teil sehe da keinen großen Unterschied und finde Kunstdünger fast hygienischer. Aber sei's drum, mir ist's egal.
Hase: Ach Herr Bär, nun seien Sie doch nicht immer so pingelig. Ich kaufe ja auch mein Gemüse und meine Milch direkt auf dem Bauerhof und das schmeckt nun mal besser. Ich fahre da jeden Tag zu den Maiers im Nachbarort und kaufe dort ein.
Bär: Das finde ich wiederum gut. Obwohl ich mir nicht sicher bin, wie das tägliche Autofahren zum Biobauern sich energetisch in der Umweltbilanz auswirkt.
Der direkte Kauf beim Bauern hat aber nach meiner Meinung nicht mit biologisch oder unbiologisch zu tun, sondern das Gemüse von Maiers ist eben frischer und wird, bis auf wenige Sorten von denen selbst gezogen. Aber auch bei Maiers stammt ein Teil der Ware aus einem Treibhaus, doch das ist deren eigenes Treibhaus und dort wird traditionel gearbeitet und nicht wie manchmal auf den Gemüsefarmen nur mit Hydrokultur. Das kann man sehr wohl schmecken. Und trotzdem gibt es eine Daseinsberechtigung für die Treibhausfarmen. Das Essen soll für viele Menschen möglichst preiswert angeboten werden. Das geht eben oft nur so. Wenn Sie die Möglichkeit haben bei Maiers einzukaufen, dann finde ich das gut. Aber das gilt eben nicht für jedermann. Dazu braucht man auch viel Zeit und die Möglichkeit, und das hat eben nicht jeder.
Hase: Sie kaufen dort auch ein? Jetzt bin ich aber erstaunt. Gerade haben Sie noch gesagt biologisch sei Mist.
Bär: Nun Frau Hase, das habe ich so nicht gesagt. Ich habe nur gesagt, dass zunächst einmal der Begriff »biologisch« ein Unfug ist. Jede Frucht, auch die in den Treibhäusern, wächst zunächst mal biologisch. Das Gegenteil wäre, wenn die Chemische Industrie die Früchte direkt aus Grundstoffen in ihren Fabriken herstellen würden. Das ist bei Fleisch, Geflügel, Fisch, Gemüse und Obst meines Wissens nicht der Fall. Bei Gelees und Konfitüren bin ich mir da jedoch nicht so sicher. Aber auch hier würde ich meinen, es kommt hauptsächlich auf den Geschmack drauf an. Wenn mir etwas schmeckt, dann ist es mir egal ob dort biologisch drauf steht oder nicht. Ich halte diesen biologischen Aufdruck eher für irreführend und Preistreibend.
Hase: Ja, aber sind Sie denn gar nicht für unsere Umwelt?
Bär: Wenn ich wirklich für die Umwelt wäre, würde ich am Besten gleich auf der Stelle sterben, denn nur dann verschmutze ich unsere Umwelt am wenigsten. So kann ich nur darauf achten, dass ich möglichst umweltschonend lebe.
Hase: Ja und wie machen Sie das dann?
Bär: Ich achte beim Einkaufen natürlich darauf, dass ich Artikel aussuche, die nach meiner Meinung weitestgehend umweltverträglich sind. So kaufe ich beispielsweise keine Großpackung von irgendetwas um 10 Cent zu sparen nur um anschließend die Hälfte wegzuwerfen. Ich schaue bei auch Eierkartons darauf, ob die armen Viecher laut Packung in einer Bodenhaltung leben ... naja, man sieht halt nur den Stempel und nicht, ob es wirklich stimmt, aber es beruhigt doch das Gewissen etwas.
Hase: Also Herr Bär, jetzt versteh' ich gar nichts mehr. Sind Sie nun für oder gegen biologisch.
Bär: Ich bin für umweltbewußten Umgang mit der Natur. Ich bin dafür, dass wir alle mit den Resourcen der Natur vorsichtig umgehen. Ich verwehre mich nur gegen den Begriff »biologisch« im Marketing und im Supermarkt. Denn alle Naturprodukte sind irgendwie biologisch. Und wenn ich an die trockene Brezen von heute früh denke, die schmeckte als hätte sie schon 3 Sonnenuntergänge erlebt, und wenn ich dann den überzogenen Preis dafür denke ... was bitteschön ist denn an einer Brezen "biologisch"?
Außer dem Preis, der ist natürlich höher für BIO, logisch.
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