Jobkiller - Interview mit Professor Pengu
Herr Professor Pengu hat mit seiner These: »Die schlimmsten Jobvernichter sind derzeit Excel und PowerPoint in den Händen von Beratern und Controllern« für einige Aufregung in Politik und Wirtschaft gesorgt. Unser wissenschaftler Mitarbeiter Roland Fuchs besuchte Herrn Professor Dr. Pengu und bat ihn um eine Stellungnahme zu seinen Behauptungen.
Fuchs: Herr Professor Pengu, Sie haben behauptet, dass das Programm Excel eine der schlimmsten Erfindungen der Neuzeit ist.
Pengu: Das ist richtig. Ich will und muß es aber relativieren.
Fuchs: Wie meinen Sie das?
Pengu: Nun, Tabellenkalkulationen an sich sind nicht schlimmes. Problematisch ist nur die absolute Gläubigkeit der Menschen an die Ergebnisse, die ein Computer liefert. Und so werden richtungweisende Entscheidungen oft aufgrund von Excel-Tabellen getroffen.
Fuchs: Das ist aber doch auch in Ordnung, oder?
Pengu: Ja und nein! Durch das absolute Vertrauen des Menschen an die Ergebnisse des Computers, werden die Ergebnisse von Excel-Tabellen fast immer zweifelsfrei angenommen.
Fuchs: Ja, ist das denn nicht richtig? Macht Excel denn soviele Fehler?
Pengu: Nein, das nicht. Soweit ich das beurteilen kann, läuft das Programm Excel weitestgehend fehlerfrei. Es sind die Anwender, die dort die Fehler hineinbringen. Entweder durch fehlerhafte Verknüpfungen, durch falsche Basisdaten oder durch unsinnige Bezüge der Daten zueinander.
Fuchs: Das glaube ich Ihnen nicht.
Pengu: Doch, doch, das können Sie ruhig glauben. Nicht umsonst sagt man: »Neunzig Prozent aller Computerfehler sitzen vor dem Bildschirm.«
Fuchs: Sie wollen uns glauben machen, dass die Anwender die Tabellen absichtlich mit falschen Daten befüllen, um ihre Ziele zu erreichen?
Pengu: Das kommt schon auch vor, ist aber gottseidank nicht sehr häufig. In den meisten Fällen handelt es sich um Eingabefehler oder um falsche Bezüge zwischen den Zellen, die sich durch Änderungen sehr leicht einschleichen oder gar um logische Fehler, die der Ersteller der Tabelle dort eingebaut hat.
Als Faustregel kann man sagen, die Fehlerrate steigt exponentiell mit der Größe der Kalkulationstabelle und der Menge der Eingangsdaten.
Fuchs: Für wie schwerwiegend halten Sie das Problem?
Pengu: Ich habe einmal gewettet, dass mindestens 50% aller Spreadsheets, die vorhin genannten Fehler aufweisen.
Fuchs: Und wie ist die Wette ausgegangen?
Pengu: Diese Wette habe ich haushoch gewonnen. Nach der Untersuchungen von mehr als dreieinhalbtausend Kalkulationstabellen kamen wir zu dem traurigen Ergebnis, dass etwa drei Fünftel, also mehr als die Hälfte, dieser Tabellen fehlerbehaftet waren.
Fuchs: Das ist aber sehr viel. Haben Sie ein Erklärung dafür?
Pengu: Es liegt daran, dass die Menschen, die damit umgehen oft mehr Wert auf die schöne Präsentation der Ergebnisse legen als auf deren Richtigkeit. Und wenn man die Daten dann auch noch mit PowerPoint aufwertet, so erscheinen sie dem Betrachter sehr schnell als plausibel und weil sie ja aus dem Computer stammen, werden sie auch selten angezweifelt.
Fuchs: Sie halten dies für bedenklich?
Pengu: Mehr als das! Stellen Sie sich eine Geschäftsleitungssitzung vor. Dort werden auf Basis der erstellten und präsentierten Daten, grundlegende Entscheidung über die Firma, deren Produktfamilien, Standorte und Mitarbeiter getroffen. Können Sie sich vorstellen in welchen Dimensionen sich dort allein das Verrutschen eines Kommas bei den Eingabezahlen auswirkt? ... und das ist bei näherer Betrachtung noch einer der am schnellsten zu findenden Fehler.
Fuchs: Glauben Sie wirklich, dass sich das in unserer heutigen Gesellschaft so gravierend auswirkt?
Pengu: JA! Und ich kann nur nochmal betonen, JA! Ein alter Hase mit seinen Erfahrungen und seinem Feeling für das Geschäft, wird die falschen Ergebnisse spüren, erkennen, hinterfragen und kontrollieren. Aber die neue Generation der Manager, die sich mit Karriereplan von Pöstchen zu Pöstchen bewegen, haben diese Erfahrungen und das Gespür nicht und oft auch nicht den Willen oder die Möglichkeit sich dies anzueignen. Sie werden ohne es zu verstehen, ihre Entscheidungen an den falschen Zahlen ausrichten. Und wohin das führt, sehen wir ja in der aktuellen Wirtschaftslage.
Fuchs: Sie behaupten also damit, Excel wäre Schuld an der aktuellen Wirtschaftlage?
Pengu: Nun, auf den ersten Blick könnte das so erscheinen. Es ist jedoch erst die Kombination aus den vielen Dingen, die den fatalen Einfluß bewirkt.
Da kommen die oben angesprochenen Dinge über Tabellenkalkulation und die bunten Bilder in den Präsentationen genauso hinein wie die mittels Textverarbeitung erstellten und zusammen kopierten Untersuchungsberichte, für die Unternehmensberatungen einen Haufen Geld kassieren. Wobei ich den Leuten noch nicht mal böse Absichten unterstelle, sondern einfach nur leichtfertigen Umgang mit den Werkzeugen und dann auch noch unter Zeitdruck schnell, schnell was fertig machen. Wodurch Fehler sehr leicht übersehen werden.
Wenn Sie einen Hammer als Werkzeug benutzen und sich auf die Finger hauen oder das Bild nach ein paar Sekunden von der Wand fällt, dann haben Sie offensichtlich einen Fehler gemacht und werden den Hammer das nächste Mal bewußter einsetzen.
Die aus der Verwendung von Computerwerkzeugen resultierenden Fehler sind leider nicht so offensichtlich, dafür aber meist sehr viel schwerwiegender. Alles was ich mit meiner agressiven These erreichen möchte ist, den bewußteren Umgang mit den Werkzeugen und die kritische Interpretation durch den Betrachter. Ich möchte, dass auch der karriereorientierte Manager präsentierte Daten hinterfragt und mehr Gefühl und Gespür für seinen Job entwickelt.
Fuchs: Herr Professor Pengu, vielen Dank für das Gespräch.
Copyright© 2003 Bernd Holzhauer
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